Relaunch zebis.ch
- Projekt
Das Portal für Lehrpersonen der Zentralschweiz, neu gedacht als Applikation und technisch neu gebaut.
- Branche
Bildung
- Jahr
2026
zebis.ch ist seit 25 Jahren das Portal für Lehrpersonen der Zentralschweiz. Betrieben von der Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz (BKZ) bündelt es Unterrichtsmaterialien, Dossiers, Stellen, Stellvertretungen, News und Veranstaltungen für die Volksschule. Am 12. August 2026 ist die Plattform neu gestartet: ein Redesign, das zebis konsequent als Arbeitsinstrument denkt, und darunter eine technische Erneuerung, die moderne Bausteine erst möglich macht.
Das Projekt in Zahlen.
Kunde und Ziele.
Die Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz betreibt zebis.ch für die Lehrpersonen der Volksschule in sechs Kantonen. Die bisherige Plattform war eine klassische Drupal-Installation, in der über die Jahre viel zusammengekommen war: die Verknüpfung mit dem Lehrplan 21 bis auf Kompetenzstufe, Lizenzverwaltung für Schulen, Stellenportal, Newsletter, Single Sign-on, die Solr-Suche und rund 29’000 interaktive H5P-Inhalte.
Sie funktionierte, war aber zunehmend schwerfällig in der Weiterentwicklung, und Bedienung wie Gestaltung entsprachen nicht mehr dem Anspruch an ein digitales Arbeitswerkzeug. Der Auftrag «Redesign & Decouple» setzte deshalb nicht beim Erscheinungsbild an, sondern bei Nutzung und Architektur — mit drei Zielen.
Ziel 1: Arbeiten statt lesen
zebis sollte sich bedienen wie ein Arbeitsinstrument, nicht wie eine Website. Lehrpersonen suchen Materialien, erfassen eigene Inhalte, verwalten Inserate und Lizenzen — diese Tätigkeiten gehören ins Zentrum der Plattform.
Ziel 2: Finden statt suchen
Über 7’000 Unterrichtsmaterialien sind nur so viel wert, wie man davon findet. Die Suche sollte sich anfühlen wie in einer modernen Web-App: Ergebnisse beim Tippen, Filter ohne Wartezeit und ein direkter Weg über den Lehrplan 21 bis auf die Kompetenzstufe.
Ziel 3: Unabhängig weiterentwickeln
Frontend und Content-Backend sollten getrennt weiterentwickelt werden können, damit aktuelle Technologie dort einsetzbar ist, wo sie etwas bringt — und nicht jede Änderung die ganze Installation berührt.
Die Herausforderungen.
Eine Installation, die alles trug
Portal, Stellenmarkt, Lizenzverwaltung, Newsletter und 29’000 H5P-Inhalte lagen in derselben Drupal-Installation. Jede grössere Änderung berührte damit das Gesamtsystem.
Ein Datenmodell, das sich nicht vereinfachen liess
Die Verknüpfung der Materialien mit dem Lehrplan 21 reicht bis auf die Kompetenzstufe und berücksichtigt kantonale Lehrplan-Versionen. Dieses Modell liess sich nicht reduzieren — die Aufgabe war, seine Komplexität zugänglich zu machen.
Rechte hingen an Personen statt an Schulen
Stelleninserate und Lizenzen waren an einzelne Benutzerkonten gebunden. Wechselte die zuständige Person an einer Schule, mussten Zugriffe und Zuständigkeiten neu organisiert werden.
25 Jahre Sichtbarkeit
Viele Lehrpersonen gelangen über Suchmaschinen direkt auf einzelne Materialseiten. Bestehende Einstiege und Verlinkungen mussten den Relaunch überstehen.
Der Betrieb musste weiterlaufen
zebis ist Teil des Arbeitsalltags vieler Lehrpersonen. Ein längerer Unterbruch war keine Option.
Die Lösungen.
Sidebar statt Kopfzeile: zebis wird zur Applikation
Der auffälligste Eingriff ist die Navigation. Eine Sidebar ersetzt die klassische Kopfzeile und macht die Haltung deutlich: zebis ist kein Lesemedium, sondern ein Werkzeug. Suchen, filtern, Material erfassen oder Inserate verwalten geschieht in derselben Anwendungslogik, ohne Ebenenwechsel.
Mehr Luft, dieselbe Marke
Das Design arbeitet mit mehr Weissraum, ruhigeren Flächen und einer klareren Hierarchie. Farbigkeit und Icon-Sprache wurden bewusst weitergeführt: Wer zebis kannte, erkennt die Plattform am ersten Tag wieder. Gestaltet wurde direkt in den echten Frontend-Komponenten statt in Mockups — Entwürfe waren dadurch früh klickbar und im Sprint beurteilbar.
Materialien erscheinen beim Tippen
Die Materialsuche ist von Solr auf Typesense umgezogen und läuft als Instant Search. Fachbereich, Zyklus, Klasse, Kanton und LP21-Kompetenzen lassen sich kombinieren, ohne dass die Seite neu lädt. Eine Volltextsuche über den gesamten Materialbestand beantwortet die Engine in zwei bis vier Millisekunden — für die tägliche Materialrecherche ist das der spürbarste Unterschied des Projekts. Dazu informieren Suchabos automatisch über neue passende Treffer.
Die Materialsuche ist für mich der grösste Sprung: Ich kann gezielt suchen, sofort filtern oder über die Lehrplannavigation passende Inhalte zu den Kompetenzen des Lehrplans 21 finden – ohne Wartezeiten. Die ansprechende Trefferliste macht Lust aufs Weiterstöbern.

Mario Cathomen
Webredaktor zebis.ch
Der Lehrplan 21 wird zum Navigationsweg
Der Lehrplan 21 ist fachlich präzise, als Navigation aber sperrig: Fachbereich, Kompetenzbereich, Kompetenz, Kompetenzstufe und kantonale Varianten müssen verständlich zusammenfinden. Statt über Darstellungsvarianten zu diskutieren, haben wir mehrere mit KI-Unterstützung als lauffähige Prototypen gebaut und direkt verglichen. Durchgesetzt hat sich die schnellste und am einfachsten verständliche: ein Browser, der schrittweise von Fachbereich über Kompetenz bis zur Kompetenzstufe führt und auf jeder Ebene die passenden Materialien zeigt. Ein qualitatives Testing hat den Ansatz bestätigt.
Schulen und Institutionen werden zu eigenen Organisationen
Der grösste Umbau am Datenmodell: Schulen und Institutionen sind heute eigenständige Organisationen. Stelleninserate, Stellvertretungsinserate und Lizenzen hängen nicht mehr an einzelnen Benutzerkonten, sondern an der Organisation. Mehrere Personen derselben Schule arbeiten mit denselben Inseraten, und eine Lizenz bleibt bei einem Personalwechsel bei der Institution. Was vorher an einer Person hing, hängt jetzt dort, wo es hingehört.
Die Redaktion arbeitet direkt im Frontend
Dossiers und Übersichtsseiten baut die Redaktion mit einem Puck-basierten visuellen Editor, mit denselben Komponenten wie der Rest der Plattform. Inhalte entstehen damit in ihrer späteren Darstellung statt in abstrakten Formularen. Rund 160 bestehende Seiten wurden mit KI-Unterstützung ins neue Format migriert.
Die 29’000 H5P-Inhalte erhalten einen eigenen Hub
Die interaktiven H5P-Inhalte sind aus dem Portal herausgelöst und in eine eigene Drupal-11-Instanz umgezogen — mit Single Sign-on, dreisprachiger Oberfläche und automatischer Urheberrechts-Prüfung beim Speichern. Der entscheidende Vorteil: Der Hub lässt sich heute aktualisieren, ohne das Portal anzufassen.
Barrierefreiheit als Teil des Redesigns
Die öffentlichen Seiten wurden gegen WCAG 2.1 AA geprüft und die gefundenen Punkte behoben. Die Markenfarben haben dafür kontrastsichere Abstufungen bekommen, ohne den Charakter des Designs zu verändern.
Der Go-Live.
Der Wechsel lief in einem Wartungsfenster, mit Übernahme von Organisationen, Statistiken und Newsletter-Daten. Parallel löste ein neuer Weekly-Newsletter das bisherige Versandsystem ab.
Der heiklere Teil war die Sichtbarkeit: Ein Portal, das seit 25 Jahren indexiert ist, verliert bei einem Relaunch schnell seine Einstiege. Deshalb wurden die 1’000 meistbesuchten Einstiegsseiten einzeln geprüft und auf sinnvolle Ziele umgeleitet — alte Filterseiten auf die neue Suche mit gesetzten Filtern, Direktlinks auf Materialdateien auf die zugehörige Materialseite.
Was der Relaunch gebracht hat.
Der September 2026 war der erste volle Schulmonat auf der neuen Plattform: rund 104’000 Besuche, das Niveau des Vorjahresmonats — bei einer um 10 % längeren Verweildauer, 2:43 statt 2:28. Die Nutzung hat den Wechsel damit ohne Einbruch überstanden.
Rund 4’500 Nutzende haben sich in den ersten acht Wochen nach dem Start eingeloggt — Lehrpersonen, die Material erfassen, Inserate verwalten oder Lizenzen betreuen. Das ist der Teil der Plattform, der ohne Login gar nicht sichtbar wird.
Der H5P-Hub wird im selben Monat rund 478’000 Mal aufgerufen, mit knapp elf Aufrufen und siebeneinhalb Minuten pro Besuch. Die interaktiven Inhalte werden nicht angeklickt, sie werden durchgearbeitet.
Die Zusammenarbeit.
Das Projekt lief vollständig über my.netnode.ch, unser Kundenportal: Jour fixes mit Agenda und Protokoll, Tasks und Sprints, Release Notes nach jedem Sprint, dazu die Testings — dort dokumentiert und KI-gestützt begleitet. Der Kunde sah jederzeit, woran gearbeitet wird, was ansteht und was ein Entscheid kostet, und priorisierte danach, was Lehrpersonen im Alltag weiterbringt. In 13 Monaten von der ersten Zeile Frontend-Code bis zum Go-Live sind so über 700 Roadmap-Items entstanden, mehr als 650 davon umgesetzt.
Im gleichen Rhythmus geht es weiter: Stabilisierung, Feinschliff an Redaktions- und Nutzerflüssen, neue Bausteine. Für Herbst 2026 ist ein Usability-Testing mit Studierenden der Hochschule Luzern aufgesetzt.
Mit dem Relaunch wollten wir zebis zu einem Arbeitsinstrument für Lehrpersonen machen, das sich so bedient, wie Lehrpersonen heute arbeiten. Und wir konnten jeden Schritt mitverfolgen und mitentscheiden — das zeichnet die Zusammenarbeit für uns aus.

Adrian Albisser
Webredaktor, Leiter zebis.ch
Architektur und Technologien.
Das Frontend basiert auf Next.js, React 19, TypeScript und Tailwind CSS. Drupal dient als entkoppeltes Content-Backend und liefert die Inhalte über JSON:API. Typesense übernimmt die Suche, Puck den visuellen Editor, Keycloak das zentrale Login, Matomo die Auswertung. Der H5P-Bereich läuft als eigene Drupal-11-Instanz.
Mehr unter zebis.ch. Wie wir entkoppelte Plattformen bauen, steht unter Web & Platform, wie wir KI im Projektalltag einsetzen unter KI-Services.
Lassen Sie uns darüber sprechen.
Ihre Plattform ist über Jahre gewachsen — mit vielen Funktionen, Integrationen und Inhalten, die weiterlaufen müssen? Wir zeigen Ihnen, wie sich Architektur und Nutzererlebnis erneuern lassen, ohne bei null anzufangen. Das erste Gespräch ist immer kostenlos.