Lunch & Learn: Am Ende entscheidet der Mensch

Vier Dinge aus dem Lunch & Learn bei NETNODE. Diesmal laufen vier Prozesse weitgehend allein, und bei allen vier hört die Automatisierung an derselben Stelle auf: dort, wo etwas öffentlich wird.

Tuschezeichnung eines Fliessbands mit einer Zeitung und einer Filmklappe, am Ende steht ein Mensch an einem Druckknopf.

Wieder 45 Minuten am Mittwoch, wieder nichts davon vorbereitet. Vier Dinge aus dieser Runde, von einem Pressespiegel, der um fünf Uhr morgens anfängt, bis zu einer Pipeline, die ein Deployment anhält.

Inhalt

Michi: Ein Pressespiegel, der um fünf Uhr morgens anfängt

Michi Mauch hat seit Anfang dieser Woche einen Medienradar produktiv im Einsatz. Das System lädt jeden Morgen gegen fünf Uhr die Zeitungen herunter und indexiert sie. Danach geht das Redaktionsteam beim Kunden durch die Ausgaben, markiert, was relevant ist, und lässt sich dazu Zusammenfassungen schreiben. Kategorien und Einleitungstext bleiben von Hand. Der messbare Teil: Das Team begann vorher um sechs Uhr und fängt jetzt um halb acht an.

Der zweite Teil ist noch Prototyp: ein Themen-Generator. Er nimmt die fertigen Zusammenfassungen, zieht Search Console und Analytics dazu und schlägt Artikelideen vor. Aus den besten drei schreibt er Artikel und legt sie über einen MCP-Server, den Yannick Bättig zwei Tage vorher gebaut hatte, direkt im Drupal-Backend an: richtiger Space, Teaser-Bild, Autor, passende Ansprechperson zum Thema.

Damit der Ton stimmt, bekommt er die Positionen der Organisation und die zwanzig besten bestehenden Artikel als Muster mit, und ein zweiter Agent liest gegen. Was er nicht macht, ist publizieren.

Lukas: Zwei Rohaufnahmen rein, ein fertiges Video raus

Lukas Fischer hat letzte Woche eine Podcast-Folge mit Drupal-Gründer Dries Buytaert aufgenommen und den Schnitt zum ersten Mal komplett abgegeben. Vorne steht eine kleine Aufnahme-App, die er sich selbst gebaut hat, weil er keine Lust mehr hatte, vor jeder Aufnahme OBS neu einzurichten: Display, Hintergrund, zwei Kameras, externes Mikrofon. Jetzt drückt er auf einen Knopf.

Die Rohdatei geht in den kraftwerk-Space für den YouTube-Kanal, dazu ein Satz: Ich will dieses Video veröffentlichen. Den Rest hat er nicht vorgegeben. Es entstand ein Transkript, danach Clips für das Intro, ein Intro-Text zum Einsprechen, am Ende das fertige Video in einem Durchgang. Aus zwei Rohaufnahmen wurde eine Datei zum Hochladen, und die Folge ist seit Mittwoch online:

Bei den Thumbnails hat der Agent nicht geliefert: Typografie daneben, die Person im Bild falsch platziert. Nach mehreren Versuchen hat er sie gelöscht und macht sie weiter selbst. Sehenswert war der Weg dorthin, weil es für Keynote keine Schnittstelle gibt: Das Modell schreibt AppleScript, führt es aus, und auf dem Bildschirm bewegen sich die Dinge von allein.

Tobias: Aus einer Case Study wurde eine SEO-Korrektur

Tobias Tschopp wollte die Case Study zum Relaunch von zebis.ch schreiben und liess dabei prüfen, ob die Sichtbarkeit nach dem Relaunch sichergestellt war. Die Nebenfrage war interessanter. Die grosse Lehrmittel-Suche der Plattform war für Google praktisch nicht vorhanden: Wer dort einen Filter setzte, etwa auf Mathematik, landete auf einer Ansicht, deren Canonical auf die allgemeine Übersicht zeigte. Die gefilterten Ansichten existierten für die Suchmaschine also nicht.

Jetzt hat jede relevante Kombination eine eigene Route, eine eigene H1 und eine eigene Seite. Die Suche nach «Textverständnis» führt wieder auf Platz eins, bei den Stellenausschreibungen dasselbe: «Lehrer Job» und «Stellen Kanton Schwyz» stehen vorn, im Inkognito-Fenster gegengeprüft.

Nejc: Die Pipeline, die den Deploy anhält

Nejc Koporec hatte ein Problem, das jeder kennt, der an einem Drupal-Projekt mit mehreren Beteiligten arbeitet: Auf der Produktion wird eine Konfiguration geändert, dann deployt jemand, und die Änderung ist weg, weil sie nie committed wurde.

Dagegen laufen jetzt drei Pipelines. Die erste prüft vor jedem Deployment, ob die Konfiguration auf dem Server von der im Repository abweicht, und blockiert das Deployment, wenn sie abweicht. Der Entwickler weiss dann, dass er etwas committen muss. Die zweite kann jemand ohne Entwicklerzugang selbst starten: Sie exportiert die Konfiguration vom Server, kopiert sie in ein Git-Checkout und öffnet einen Pull Request. Keinen Commit, einen Pull Request. Die dritte ist dieselbe Arbeit als Nachtlauf, womit auch Änderungen auffallen, die niemand im Team gemacht hat.

Nötig sind ein Script für den Export, die Pipeline-Definition und ein Secret für den Serverzugang. Bisher läuft es auf einem Projekt, und in der Runde sagte Stefan Pauwels, es habe ihn am selben Tag davor bewahrt, die Produktionskonfiguration zu überschreiben.

Fazit

Vier Leute, vier Baustellen, und an derselben Stelle hört die Automatisierung bei allen auf. Michis Generator schreibt den Artikel fertig und publiziert ihn nicht. Nejcs Pipeline öffnet einen Pull Request statt zu committen. Lukas gibt den ganzen Schnitt ab und macht die Thumbnails selbst. Beim SEO-Fund kam der Vorschlag vom Agenten, die Entscheidung über die neuen Routen nicht.

Das ist keine Vorsicht aus Prinzip, sondern die Stelle, an der etwas öffentlich oder schwer rückholbar wird. Bis dahin darf ein Prozess durchlaufen. Danach steht ein Name dafür ein.

Referenzen

Sie haben eine Stelle in Ihrem Prozess, an der jemand jeden Morgen dasselbe von Hand macht? Lassen Sie uns darüber sprechen. Das erste Gespräch ist immer kostenlos.

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Tobias Tschopp

Tobias Tschopp

Solution Engineer, Consulting/Strategy

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